Königsabschied zum 229. Vogelschiessen
1. Schützenmeister wird 8. Schützenkaiser seit 1776
Um zum korrekten Rhythmus althergebrachter Traditionen zurückzukehren, fand der Königsabschied wieder wie seit Beginn der Überlieferungen im Jahr 1776 üblich am 1. Samstag nach dem kalendarischen Sommeranfang statt. Obwohl die Einladungen wie immer einen Monat vor dem Königsabschied - und damit rechtzeitig - verschickt worden waren, fanden sich nach den extrem wenigen 48 Besuchern und Festgästen des vergangenen Jahres diesmal immerhin 67 Gäste zum Königsabschied ein, enttäuschend war dabei aber einerseits, dass die eingeladenen prominenten Festgäste der Einladung unseres scheidenden Schützenkönigs und seiner Frau nicht folgten - außer unserem Schützenkommissar, der Hrn. OB Dr. Jung und dessen Stellvertreter Bürgermeister Hartmut Träger als offizieller Vertreter der Stadt Fürth vertrat, war diesmal leider keine weitere Prominenz gekommen.
Pünktlich um 19 Uhr trafen der 170. Schützenkönig und seine Frau Lore - chauffiert vom Sohn Mathias - am Schützenhaus ein, wo sie von einem lautstarken Salut aus der vereinseigenen Salutkanone - einer Spezialanfertigung von Fritz Walther, Schützenkönig im Jahr 1963, abgefeuert von Horst Kleinecke, freudig empfangen wurden.
Schützenkönig Robert Fürst und seine Frau Lore nach dem Empfang und der Begrüßung der FestgästeDiesmal konnte der 1. Schützenmeister als einzigen prominenten Gast unseren Schützenkommissar Christoph Maier begrüßen, ebenso den Ehrenschützenmeister Rüdiger Heinemann, die Ehrenmitglieder Jupp Hoffmann, der der Einladung im bemerkenswerten Alter von 90 Jahren ebenso gefolgt war wie unsere verehrten Ehrenmitglieder Oswald Hegendörfer und Robert Frisch sowie den Jugendkönig Felix Zeiher.
In seiner Ansprache machte der 1. Schützenmeister darauf aufmerksam, dass aus diesem bevorstehenden 229. Vogelschiessen seit 1776 entweder der 171. Schützenkönig, der 8. Schützenkaiser oder die erste Schützenkönigin hervorgehen werden. Zu diesem Zeitpunkt war ja noch alles offen.
Der 1. Schützenmeister überreichte Robert Fürst am Ende seiner Festrede die Königsnadel und überließ ihm das Wort.
Schützenkönig Robert Fürst mit Gattin in festlicher Atmosphäre
Einleitend informierte der amtierende Schützenkönig, wie er vor einem Jahr zu seiner Königswürde kam.
Aufgrund dessen, dass der König nur einen Teil der Kosten des Königsjahres zu tragen hatte, habe er sich, ohne die erklärte Absicht, selbst Schützenkönig werden zu wollen, unbelastet am Schiessen beteiligt. Erst als sein Sohn Mathias ihn darauf ansprach, dass die abgegebenen Schüsse mehrheitlich ihr Ziel verfehlten, habe es sich veranlaßt gesehen, dieser Kritik entgegenzutreten, um den Vogel demonstrativ "einmal zum wackeln zu bringen" ! Gesagt - getan, und "schon lag der Rest am Boden".
Obwohl Robert Fürst bereits einige Königsbälle besucht hatte, so berichtete er weiter, bereitete ihm der vor ihm liegende Königsball doch einiges Kopfzerbrechen, denn während das Königspaar den zurückliegenden Einladungen immer wieder gern gefolgt war, verfestigte sich im Verlauf der Zeit der Gedanke (besonders zum bevorstehenden Jahr und zum Königsball), dass
"wer nimmt, auch bereit sein sollte, zu geben..."
Deshalb - so der Schützenkönig weiter, bemühte sich das Königspaar, den geladenen Gästen diesmal einen besonders schönen und erlebnisreichen Ball zu bereiten (der unserem Königspaar auch gelungen ist - Anmerkung des 1. Schützenmeisters).
Aus diesem Grund bedauerte das Königspaar es sehr, dass der Einladung zum Ball damals nur ein sehr geringer Teil unserer Mitglieder gefolgt war:
Einschließlich der Mitglieder des Schützenmeisteramts waren bekanntlich lediglich 45 Mitglieder unserer Gesellschaft zum Königsball erschienen!
Der scheidende Schützenkönig stellte den Anwesenden deshalb die provozierende Frage, ob es für die Mitglieder nicht ebenso verpflichtend sein solle, an offiziellen Veranstaltungen teilzunehmen, wenn es schon die Pflicht des amtierenden Schützenkönigs sei, derartige Höhepunkte zu organisieren und Veranstaltungen abzuhalten?
In diesem Zusammenhang stellte er die Leistungen unserer Funktionsträger heraus, die diese Anforderung seinen Ausführungen nach in beispielhafter Weise erfüllen, die ihm äußerst entgegenkommend bei allen organisatorischen Aufgaben zur Seite standen, und denen der aufrichtige Dank des Königspaares dafür gebührt, dass diese durch ihre unermüdliche, oft auch frustrierende Arbeit, es erst ermöglichen, das Gesellschaftsleben in unserer Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Zudem kritisierte der Schützenkönig die mangelhafte Beteiligung der Schützen beim Vogelschiessen und appellierte an die Anwesenden, sich diesmal aktiver am Vogelschiessen zu beteiligen als in den zurückliegenden Jahren, wobei ihm und allen Anwesenden bewußt war, dass diese Kritik vornehmlich an jene gerichtet sei, die dem Königsabschied sowie den allermeisten offiziellen Anlässen ohnehin permanent fernblieben.
Die Anwesenden dankten dem König diese offenen Worte der Kritik mit lang anhaltendem Beifall, ohne zu ahnen, dass die vorgetragenen Anmerkungen sich am folgenden Tag erneut bestätigen sollten, denn erneut lag die aktive Beteiligung der Schützen weit unter den Erwartungen.
Anschließend begann der 1. Schützenmeister mit den Ehrungen verdienter Mitglieder.
Für sein überzeugendes Engagement zugunsten der Gesellschaft wurde Fritz Stimpfig, die Ehrenurkunde und Ehrennadel anläßlich der Ernennung zum Ehrenmitglied überreicht. Die Ernennung zum Ehrenmitglied der Gesellschaft wurde bekanntlich ím Rahmen der letzten Generalversammlung im März 2005 ausgesprochen.
Fritz Stimpfig bei Aushändigung der Ehrenurkunde
Geehrt wurden ferner Helga Härtfelder und Irene Hautsch-Vogel für ihre zuvorkommende Unterstützung unserer Gesellschaft, Frau Härtfelder erhielt die Verdienstnadel des Schützengaus Fürth, Frau Hautsch-Vogel wurde mit der silbernen Vereinsnadel geehrt.
Helga Härtfelder - geehrt für ihre zuvorkommende und langjährige Unterstützung
Ebenfalls für ihre bemerkenswerte Unterstützung geehrt wurde Frau Irene Hautsch - Vogel, sie erhielt die Vereinsnadel in Silber
Für ihre vorbildliche Kassenführung während der letzten 6 Jahre erhielt Lore Fürst die silberne Gauehrennadel, in diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass sich Lore Fürst nach der Amtsübernahme von ihrer Vorgängerin Hannelore Walther überraschend schnell in die Materie eingearbeitet hatte und dass es ihr gelungen ist, durch ihren Einfluß auf eine möglichst sparsame Kassenführung das Vermögen der Gesellschaft von Jahr zu Jahr zu vermehren. Hierfür dankte ihr der 1. Schützenmeister, unterstützt vom Beifall der Festgäste.
Lore Fürst bei Übernahme der Ehrenurkunde, beglückwünscht vom 1. Schützenmeister
Geehrt wurde ferner Dieter Karl Ludwig für seine Leistungen im Zusammenhang mit der Ausarbeitung von Plänen für das Projekt zum Neubau des Schützenhauses an anderer Stelle, das er während der vergangenen 3 Jahre vorbildlich und unentgeltlich unterstützte. Hierfür wurde ihm die Protektornadel überreicht.
Dieter Karl Ludwig anläßlich der Ehrung mit der Protektornadel
.Geehrt wurden für 25 - jährige Mitgliedschaft nachfolgende Mitglieder:
Sonja Pierskalla
Dominika Dorn
Walter Hacker
Stephan Pühler
Die für 25 - jährige Mitgliedschaft Geehrten: Stephan Pühler, Walter Hacker, Dominika Dorn und Sonja Pierskalla neben dem 1. Schützenmeister (links)
Königsabholung und Vogelschiessen am Sonntag
Zum in der Einladung zur Königsabholung angegebenen Zeitpunkt und damit rechtzeitig vor Beginn des für exakt 9.45 Uhr vorgesehenen Böllerschießens trafen sich die Schützen am angegebenen Treffpunkt, der Einmündung der Bernhard-von-Weimar-Str. in die Zirndorfer Straße.
Mit dabei waren der 2. Bürgermeister Hartmut Träger und unser Schützenkommissar, Stadtrat und Ordnungsreferent Christoph Maier - ebenso unser verehrter Gauschützenmeister Karl Ultsch in Begleitung seiner Frau, allerdings fehlten zum Zeitpunkt des Abmarsches, der für spätestens 9.35 Uhr vorgesehen war, die begleitenden Polizeifahrzeuge! Und weil der Zeitpunkt, zu dem die Unterbrechung des Kirchengottesdienstes mit der Kirchengemeinde seit geraumer Zeit fest vereinbart war, näher rückte, machten sich die Schützen in Begleitung der Zirndorfer Stadtjugendkapelle auf den Weg zum Wohnhaus des Schützenkönigs. Eine schöne Tradition, überliefert aus dem Jahr 1838, als erstmals ein Schützenkönig von seinem Wohnhaus abgeholt wurde.
Das Königspaar zur Ehrung durch einen festlichen Salut unserer Böllerschützen, unterstützt durch die Böllerschützen der V.f.L.u.K.K Veitsbronn
Mit einem bemerkenswerten Salut begrüßten die 12 Böllerschützen unter Leitung von Manfred Füg und begleitet vom Applaus der benachbarten Anwohner das Königspaar. Nach den offiziellen Begrüßungsworten des 1. Schützenmeisters führte uns der Rückweg zum Möbelhaus Maag, wo ein Oldtimer Omnibus erwartet wurde, um die Schützen zum Bahnhofsplatz zu transportieren. Da der zur Abholung vereinbarte Oldtimer aufgrund einer technischen Panne leider nicht zur Verfügung stand, chauffierte die 53 Festzugteilnehmer sowie die Musikanten im ersten für die VAG Nürnberg gebauten Gasbus der Fa. MAN in 2 Touren zum verabredeten Platz, an dem der Schriftführer und seine Frau für die dort versammelten Festzugteilnehmer einen Ausschank vorbereitet hatten.
Gegen 10.35 Uhr brach der Festzug auf. Mit dabei war wie schon viele Jahre zuvor die Landtagsabgeordnete Petra Guttenberger, der wir für ihren förderlichen Einsatz zugunsten der Königlich privlegierten Schützengesellschaften in Bayern noch immer dankbar sind. In Begleitung von 2 Polizeifahrzeugen marschierten wir durch die Innenstadt zum Schützenhaus, an dem der Festzug mit dem Königspaar gegen 11 Uhr von lautstarken Böllerschüssen freudig in Empfang genommen wurde.
Inzwischen war auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung eingetroffen und reihte sich bei unserer Ankunft am Schützenhaus in den Festzug ein; er beglückwünschte das Königspaar, bevor die Böllerschützen zu Ehren des scheidenden Schützenkönigs noch einen heftigen Salut abgaben. Anschließend ging's zum Frühschoppen, der wie in den Vorjahren auf den zum Königsabschied vorbereiteten Schießständen stattfand.
Werner Siebenhaar, der erst wenige Tage zuvor das 50. Jubiläum der Zirndorfer Stadtjugendkapelle feierte, und an dem mehr als 20.000 Zuschauer teilnahmen, begleitete unser Königspaar musikalisch mit abwechslungsreichen Klängen durch diesen Frühschoppen, an dem noch einmal wie schon zum Königsball persönliche Freunde wie eine Thüringer Zahnärztin und auch die hochbetagten Eltern des Schützenkönigs teilnahmen, und über deren Teilnahme sich das Königspaar offensichtlich besonders gefreut hat...
Die Eltern des scheidenden Schützenkönigs Robert Fürst, die in den Nachkriegsjahren ein stadtbekanntes Cafe in Fürth betrieben.
Oberbürgermeister Dr. Jung richtete seine Glück- und Grußworte an das Königspaar. Auch die Landtagsabgeordnete Petra Guttenberger beglückwünschte den Schützenkönig und hob in ihren Grußworten hervor, dass die überlieferten Traditionen unserer ältesten Fürther Schützengesellschaft schön und erhaltenswert seien, ehe der Oberbürgermeister und die Landtagsabgeordnete uns wegen anderer Termine und eigentlich zu früh leider wieder verlassen mußten.
Gegen 13 Uhr endete der Frühschoppen und damit die letzte offizielle Veranstaltung des Königspaares, denn nur wenig später begann um 15 Uhr das traditionelle Vogelschiessen.
Den ersten Schuß gab wie üblich der scheidende Schützenkönig ab. Einem zugestimmten Vorschlag zur letzten Generalversammlung folgend hatten erstmals auch die 3 Schützenkaiser unserer Gesellschaft noch einmal die Möglichkeit zu einer Schussabgabe, die Schützenkaisern bis dato stets verwehrt geblieben wäre.
Noch am Vorabend waren insgesamt 300 Lose verkauft worden, die die Erwerber zum Teil an andere Mitglieder abgaben, um die aktive Teilnahme am Vogelschiessen möglichst zu vermeiden.
Wie in allen vorherigen Jahren auch, verringerte sich auch diesmal wieder die aktive Beteiligung am Vogelschiessen mit der Zahl der abgegebenen Schüsse. Mit wenigen Ausnahmen beteiligten sich noch 3 Schützinnen und am Ende wechselten sich nur noch wenige weibliche Mitglieder ab - die Schützen hatten sich nach dem hundertsten Schuß mit Ausnahme unseres Pächters Nicki Schmidt vollständig zurückgezogen. Einige Mitglieder waren bereits heimgegangen oder verfolgten das Vogelschiessen "aus sicherer Distanz", nachdem es nach einer kurzen Pause von 15 Minuten wieder aufgenommen wurde.
Nach dem 135. Schuß mußte erneut eine Pause eingelegt werden, obwohl die Teilnehmerinnen schon zu diesem Zeitpunkt beim besten Willen keine Wettkampfatmosphäre mehr bei diesem 229. Vogelschiessen erkennen konnten.
Der 2. Schützenmeister und der Sportleiter besichtigten die eingetretenen Schäden intensiv und stellten dabei fest, dass die Substanz des Ziels das vorangegangene Vogelschiessen trotz allem relativ gut überstanden hatte - lediglich die Aufhängung hatte gelitten, als das Schiessen nach dem 135. Schuss und einer erneuten Pause von ca. 10 Minuten fortgesetzt wurde.
Niemand mochte sich mehr aktiv beteiligen. Lediglich 2 Schützinnen waren am Ende noch dabei und sie hatten den Eindruck, dass von einem Wettkampf um die Würde des Schützenkönigs zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr sein konnte, als der 1. Schützenmeister mit einem gut platzierten Treffer den Vogel "erfolgreich vom Pfahl fegte".
Eine Schützenkönigin wäre den meisten Anwesenden sehr willkommen gewesen...
Was auch immer die übrigen Anwesenden daran gehindert hat, sich diesmal aktiv zu beteiligen, so zeigt dieses Vogelschiessen deutlicher denn je, dass eine grundsätzliche Reformierung unseres Königsjahres dringend geboten ist.
Damit ist der 1. Schützenmeister der 8. Schützenkaiser seit 1776.
ALLEN SCHÜTZINNEN UND SCHÜTZEN MEINEN DANK FÜR IHRE AKTIVE BETEILIGUNG AM 229. VOGELSCHIESSEN
1. Schützenmeister