Ausflug nach IngolstadtMit 29 Teilnehmern eine unterdurchschnittlich geringe Beteiligung
Kurz vor 8 Uhr traf an diesem Samstag der blaue Reisebus der Fa. Rombs aus Weißenburg vor dem Schützenhaus an der Kapellenstraße ein, wo sich die Teilnehmer unseres diesjährigen Vereinsausflugs bereits vollzählig versammelt hatten.
Mit lediglich 29 Teilnehmern war die Beteiligung am Schützenausflug 2006 unterdurchschnittlich. Etwa 20 Plätze des komfortablen neuen Fahrzeugs blieben leider unbesetzt.
Pünktliche Abfahrt nach Ingolstadt um kurz nach 8 UhrIm Wetterbericht wurden zwar örtliche Regenschauer angekündigt, doch zu früher Morgenstunde begleitete uns schöner Sonnenschein auf unserer Fahrt nach Ingolstadt, die uns parallel zur von Nürnberg nach München führenden ICE Neubautrasse über die A9 führte. Nach der Begrüßung der Mitreisenden durch 2. Schützenmeister Claus Kulla, der die Fahrtroute, den kompletten Ablauf und auch das Besuchsprogramm organisiert hatte, machte uns unser Fahrer auf einen neuen Geschwindigkeits-Weltrekord aufmerksam, wonach vor kurzem auf dieser Strecke ein neuer Weltrekord für Elektrolokomotiven erreicht wurde. Diesen Weltrekord hat Siemens mit seiner Mehrzwecklok «Taurus» aufgestellt. Die 8.400 PS starke Lok aus der Serienproduktion des Münchner Konzerns erreichte am Samstagnachmittag des 2. September 2006 zwischen Ingolstadt und Nürnberg eine Höchstgeschwindigkeit von 357 Stundenkilometern. Die sowohl für Schnell- als auch für Güterzüge konstruierte Maschine übertraf damit die seit 1955 für einzelne Elektrolokomotiven gültige Bestmarke von 331 Stundenkilometer der französischen Lok BB-9004.
Die Siemens Elektrolok vom Typ "Taurus" erreichte zwischen Ingolstadt und Nürnberg eine Höchstgeschwindigkeit von 357 Stundenkilometern.Nach etwa einstündiger Fahrt traf unser Reisebus am AUDI Forum in Ingolstadt ein, wo unsere kleine Reisegruppe in nach ihrem Eintreffen geteilt wurde, da die maximale Gruppenstärke für Führungen durch's Audi Museum auf 25 Teilnehmer limitiert ist.
Während eine Gruppe sogleich die Führung durch das Museum begann, nutzten die Mitglieder unserer zweiten Führungsgruppe die Gelegenheit zu einer kurzen Filmvorführung im kreisrunden Zentrum des Audi Forums, der aber insgesamt wenig informativ war. Interessanter war sicher für die meisten von uns die Gründungsgeschichte des Unternehmens und seine Entwicklung bis heute. Demnach wurde die Firma am 16. Juli 1909 als August Horch Automobilwerke GmbH in Zwickau von August Horch gegründet, nachdem er aus seiner Firma August Horch & Cie. austreten musste.
Filmvorführung im Forum der Audi AGAls man ihm untersagte, seinen Nachnamen für ein weiteres Automobilunternehmen zu benutzen, wurde der Begriff kurzerhand in die lateinische Form des Imperativ von audire = hören übersetzt und die neu gegründte Firma danach am 25. April 1910 Audi Automobilwerke benannt
Die Angestellte des Audi Forums erläutert die wechselvolle Geschichte des Unternehmens und informiert
über die technische Entwicklung von der Gründung bis zur Neuzeit1910 verließ das erste Fahrzeug mit dem Namen Audi das Zwickauer Werk. 1915 wird die Audi Werke AG gegründet. Während der Führung berichtete die uns begleitende Angestellte des Audi Forums ausführlich über die abwechslungsreiche geschichtliche Entwicklung des Unternehmens, das infolge der Inflation wie viele andere auch in existenzbedrohliche Schwierigkeiten geriet, was 1932 zum Zusammenschluß der vier Kraftfahrzeughersteller Audi, DKW, Horch und Wanderer zur Auto Union führte und wonach das bekannte Firmenlogo mit den vier Ringen entstand.
Nachbau eines AUDI Rekordwagens, der bereits 1939 ca. 440 km/h erreichteNach dem Krieg wurde die in der SBZ gelegene Auto Union aufgelöst und in Ingolstadt mit gleichem Namen neu gegründet. Viele Mitarbeiter aus den zerstörten Werken in Zwickau setzten sich nach Ingolstadt ab und begannen die Produktion wieder aufzunehmen; die Fahrzeuge der Auto Union wurden unter dem Markennamen DKW produziert.
Ein legendäres Horch Modell der 30er Jahre1958 übernahm die Daimler-Benz AG die Auto Union, hatte aber mit dem Absatz der inzwischen veralteten 2-Takt Modelle keinen Erfolg. Weiter erläuterte die Angestellte, dass das Unternehmen 1964 von Volkswagen übernommen wurde. 1969 fusionierte die Auto Union GmbH mit der NSU AG Neckarsulm. Das Unternehmen hieß nun Audi NSU Auto Union AG der damals produzierte RO80 war mit seinem Wankelmotor seiner Zeit zwar weit voraus, jedoch technisch nicht ausgereift und für den täglichen Gebrauch untauglich. Nachdem der Markenname NSU bereits 1977 mit Auslaufen des NSU Ro 80 aus dem Programm verschwunden war, firmiert die Audi NSU Auto Union AG seit 1985 unter dem Namen Audi AG. Die Führung endete an einem aktuellen Audi A8, der komplett aus Aluminium gefertigt nur als Ausstellungsstück verwendet wird, da eine Zulassung für den Straßenverkehr daran scheitert, dass die Blendwirkung offenbar zu groß ist.
Moderner Audi A8 aus AluminiumWährend einige Mitglieder unserer Reisegruppe noch einen kurzen Abstecher in den angrenzenden Verkaufsshop oder ins Forums-Restaurant machten, vertraten sich andere die Beine, aber kurz danach führte uns die kurze Fahrt mit dem Bus ins Stadtgebiet, wo wir zum Mittagessen im Gasthaus "Zum Kuchelbacher" einkehrten.
Die Teilnehmergruppen unseres Ausflugs an verschiedenen Tischen beim Mittagessen im "Kuchelbacher"Nach dem Mittagessen übernahm Frau Sitzkowski unsere Reisegruppe, nachdem es unserem 2. Schützenmeister Claus Kulla mit Unterstützung des Busfahrers gelang, eine zweite Führerin abzubestellen.
Auch für die Stadtführung wäre normalerweise die maximale Teilnehmerzahl auf 25 Personen limitiert gewesen.
Die Reiseführerin informiert, weshalb es im 17. Jahrhundert sinnvoll war, sich gesetzestreu zu verhalten ,da an diesem Ort Ingolstadts stets die Hinrichtungen stattfandenDie Stadtführung begann am Alten Rathaus, das aus dem 16. Jhd. stammt und das zwischen 1882 und 1883 von Gabriel von Seidl im Stil der Neorenaissance umgebaut wurde. Schön anzusehen sind die barock ausschauenden Giebel, es wird seit 1985 wieder an jenem Ort als Rathaus genutzt, an dem früher die öffentlichen Hinrichtungen stattfanden, zu denen sich damals jeweils viele Schaulustige einfanden.
Die neben dem alten Rathaus n in Ingolstadt befindliche Sparkasse wäre besser an einem anderen Ort der Stadt erbaut worden - krass ist jedenfalls der Unterschied der zeitlich weit auseinander liegenden Baustile
Ingolstadt war gegen Ende des 15. Jahrhunderts ein kultureller Mittelpunkt Bayerns, 1472 wurde hier die erste bayerische Landesuniversität eröffnet. Im Jahr 1800 kam sie nach Landshut und erst 1826 nach München.
In den Jahren 1723 bis 1736 errichtete die Medizinische Fakultät der Universität Ingolstadts auf dem Universitätsgelände ein kleines, wissenschaftliches Schloss, von dem bis heute die "Alte Anatomie" und der angrenzende "Medizinalgarten" erhalten geblieben sind. 1973 wurde in der ehemaligen "Alten Anatomie" das Deutsche Medizinhistorische Museum eröffnet.
Gruppenbild unserer Reisegruppe vor der Alten Anastomie,dort wo vor zum Beginn der wissenschaftlichen Medizin einmal die ersten öffentlich zugänglichen Sektionen von Leichen stattfandenBesonders beeindruckend auf unsere historisch interessierte Reisegruppe war sicherlich die von manchen Geschichtswissenschaftlern als "wertvollste Monstranz der Welt" bezeichnete Lepanto Monstranz in der Asam Kirche - Maria de Viktoria, die unsere interessierten Schützen besonders faszinierte.
Im 14. Jh. eroberten die Osmanen größere Teile des Balkans. 1453 fiel Konstantinopel. Im frühen 16. Jh. wurde der vordere Orient unterworfen. 1529 belagerten die Türken Wien. Als 1571 auch das venezianische Cypern eingenommen wurde, beherrschte das osmanische Reich den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Mit Kreta war nun auch der letzte Stützpunkt des Orienthandels von Venedig gefährdet, und der Papst sah nicht nur Italien, sondern auch die Christenheit bedroht.
Pius V. gelang es, Venezianer und Spanier zu einem Abwehrbündnis zu vereinen. Viele abendländische Fürsten entsandten Söldner - so auch der bayerische Herzog.Anfang Oktober 1571 trafen sich die beiden Flotten bei Lepanto an der griechischen Westküste. Fast 500 Schiffe und etwa 200.000 Mann standen sich gegenüber. Die zahlenmäßige Überlegenheit der Orientalen und deren größere Geschicklichkeit wurde kaum durch die technischen Verbesserungen seitens der abendländischen Flotte ausgeglichen. Große Hoffnungen setzten die Europäer auf ihre 6 schweren Segelschiffe mit Hilfsrudern, die aber so schwer manövrierbar waren, daß sie nur bei günstigem Rückenwind - welcher zu Beginn der Seeschlacht auch aufgekommen war - ihre weitreichenden, nach vorne gerichteten Geschütze einsetzen konnten. So stark deren zerstörerische Wirkung dann auch war, die Türken taktierten und kämpften besser und enterten das Flaggschiff Don Juans. Erst als der osmanische Oberkommandierende Ali Pascha in die Hände der Spanier gefallen und von diesen enthauptet worden war, ergriffen seine Männer die Flucht und retteten sich teilweise schwimmend an Land. Insgesamt starben an diesem Tag etwa 40.000 Menschen.
Was nun hat Maria mit diesem schrecklichen Ereignis zu tun? Hat sie tatsächlich in die Schlacht eingegriffen und zunächst den günstigen Rückenwind und später die glückliche Wende bewirkt? Es wäre verständlich, wenn Teilnehmer des Kampfes derartiges angenommen hätten. Es erscheint diese Vermutung aber etwas zu vordergründig.
Gerade am Tag der Schlacht hatte die römische Rosenkranz-Bruderschaft ihre Bittgänge abgehalten und Papst Pius V., der sich so sehr für die christliche Allianz eingesetzt hatte, meinte an diesem Tag in einer Art von Entzücken den Sieg zu sehen. 1572 bestimmte er, daß am Jahrestag der Schlacht ein Dankfest als "Gedächtnis unserer lieben Frau vom Sieg" gehalten werde. Dieser Titel ist nicht verwunderlich, denn bereits seit der Spätantike wurde Maria, die Mutter Gottes, als "Hilfe der Christen" und als "Vorkämpferin" - der man Siegeslieder widmete - gepriesen.
Monstranz in der Asam Kirche "Maria de Viktoria"
Blick auf den Altar in der Asamkirche Maria de ViktoriaDer Nachmittag stand den Teilnehmern im Anschluß an die Stadtführung zur freien Verfügung. Einige nutzen die Gelegenheit zum Besuch des Militärhistorischen Museums im Osten der Stadt, andere bummelten durch die Fußgängerzone, da viele Geschäfte noch geöffnet waren, auch die neue Ausstellung des DLF, in der interessante Ergebnisse und Fotos der letzten Mission zu unserem Nachbarplaneten Mars gezeigt wurden, zogen einige Interessierte in ihren Bann, bevor sich die Teilnehmer unserer Reisegruppe erneut im Gasthaus "Zum Kuchelbacher" einfanden, um zu Abend zu essen.
Reichlich geschafft, nach soviel Bewegung. Rückfahrt nach Fürth, kurz vor dem Eintreffen am SchützenhausDer 1. Schützenmeister bedankte sich abschließend beim 2. Schützenmeister für dessen wertvolle und unverzichtbare Unterstützung und die gesamte Organisation des Ausflugs und wünschte allen Teilnehmern eine gute Heimfahrt. Zugleich kündigte er an, dass es auch im kommenden Jahr wieder einen Vereinsausflug geben werde, zu dem er schon jetzt alle Mitreisenden dieses Vereinsausflugs herzlich einlud.
1. Schützenmeister