Kaiserabschied, Vogelschiessen und
Jugendkönigschiessen 2007


Sportleiter Andreas Hertel Schützenkönig 2007 / 2008

Susanne Wagner neue Jugendkönigin


Um 09.30 Uhr traf sich die Gesellschaft bei sonnigem Wetter (und steigender Temperatur) an der Ecke Unterfarrnbacher Straße / Habichtstraße, wie in der Einladung zur Kaiserabholung angegeben. Mit dabei waren der neue Ehrengauschützenmeister Karl Ultsch in Begleitung seiner Gattin, unser Jugendkönig Felix Zeiher, eine aus 14 Böllerschützinnen und Böllerschützen bestehende Abordnung verschiedener Vereine, sowie der Musikzug des TSV 1895 Burgfarrnbach.

Warten auf die Polizei
Warten auf die Polizei

Nicht mit dabei waren hingegen - wie schon bei der Königsabholung 2005 - die beiden Polizeifahrzeuge, die zur Absicherung des Festzugs nötig sind. Der hierzu vom 1. Schützenmeister Rüdiger Heinemann bereits im Mai gestellte Antrag scheint im Geschäftsgang der Polizei verloren gegangen zu sein, denn um 09.55 Uhr war immer noch kein Polizeifahrzeug zu sehen. Kurzentschlossen setzte der 1. Schützenmeister den Festzug dennoch in Marsch, um das Wohnhaus des IX. Schützenkaisers Erich Roth und seiner Lebensgefährtin Andrea Hirschmann noch pünktlich um 10.00 Uhr zu erreichen.

Dort angekommen begrüßte der 1. Schützenmeister nach ein paar klärenden Worten mit der inzwischen eingetroffenen Besatzung des ersten Polizeifahrzeugs das Kaiserpaar mit einem Blumenstrauß, ehe die Böllergruppe Aufstellung nahm und unter dem Kommando von Ulrich Ohle einen exakten Salut abfeuerte.

Gegen 10.15 Uhr brach der Festzug mit dem Kaiserpaar auf und marschierte von der Habichtstraße über die Unterfarrnbacher Straße, Würzburger Straße (hier kam schließlich das zweite Polizeifahrzeug dazu), Billinganlage und Kapellenstraße zum Schützenhaus, vor dem Willi Kleinecke den ankommenden Zug um 10.45 Uhr mit der gesellschaftseigenen Salutkanone begrüßte.

Kurz darauf war auch Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung eingetroffen und beglückwünschte das Kaiserpaar, bevor die schon einsatzbereit wartende Böllergruppe zu Ehren des scheidenden Schützenkaisers ihr volles Programm darbot. Dessen Abschluss bildete ein perfekt geschossener Salut, der mit erweiterter Widmung ausdrücklich sowohl zu Ehren des Kaiserpaars als auch zu Ehren des Oberbürgermeisters abgefeuert wurde.

Empfang des Kaiserpaars vor dem Schützenhaus
Empfang des Kaiserpaars vor dem Schützenhaus

Anschließend begab man sich zum Frühschoppen, der nicht mehr auf den – jetzt überdachten und schon für das Jugendkönigsschießen vorbereiteten - Schießständen, sondern im Festsaal des Schützenhauses stattfand.

Zu Beginn seiner Festrede richtete der 1. Schützenmeister einen besonderen Gruß an den scheidenden Schützenkaiser Erich Roth und bedankte sich im Namen Aller für die Einladung zum Abschiedsfrühschoppen. Er wies nochmals darauf hin, dass die Streichung des früheren Abschiedsabends von der Gesellschaft aus Kostengründen beschlossen wurde, um, es allen Mitgliedern zu ermöglichen, einmal König zu werden. Vom König seien nur noch Bild, Taler, Königsscheibe und der Frühschoppen zu finanzieren. Sodann begrüßte der 1. Schützenmeister die anwesenden Ehrenmitglieder Jupp Hoffmann und Fritz Stimpfig, den ehemaligen Bezirksschützenmeister Manfred Schönecker und den ehemaligen Gauschützenmeister Karl Ultsch, außerdem Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und den Direktor der Sparkasse Fürth, Rainer Heller.

Ehe Rüdiger Heinemann nach einem kurzen Rückblick auf das letztjährige Vogelschießen das Kaiserabzeichen an Erich Roth überreichte, empfahl er dem scheidenden Schützenkaiser, nunmehr aktiver Schütze zu werden, weil er als Gesellschaftsschütze jetzt alles erreicht habe, was zu erreichen gewesen sei und zudem bewiesen habe, dass sein Königsschuss 2001 kein Glückstreffer gewesen war.

Anschließend bedankte sich Erich Roth bei Allen. Er habe sich riesig gefreut, so viele Leute vor seinem Haus zu sehen und freue sich jetzt, den Frühschoppen zu geben. Auf sein Königsjahr 2001 zurückblickend, hob er hervor, dass dieses von zwei Ereignissen geprägt worden sei: dem 11. September und dem Wechsel von der D-Mark zum Euro. Auch wenn dieser nun schon wieder sechs Jahre zurückliege, sei ihm aufgefallen, dass immer noch Alle in D-Mark rechneten, obwohl man inzwischen praktisch 1:1 umrechnen könnte. Hierfür sei er schon persönlich verantwortlich gemacht worden, nach dem Motto: "Wärst Du damals nicht König geworden, hätten wir heute noch die D-Mark." Mit dieser launigen Bemerkung schloss Erich Roth seine Ansprache und wünschte Allen noch einen schönen Tag.

Von Rüdiger Heinemann ans Rednerpult gebeten, bedankte sich nun Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung für die Einladung. Der heutige Kaiserabschied sei auch innerhalb der 1000-Jahr-Feier der Stadt Fürth ganz wichtig, weil er "ein traditionelles Ereignis der ältesten Vereinigung unserer Stadt ist". Außerdem dankte er dem 1. Schützenmeister nochmals für dessen "großes Werk" (gemeint ist die von Rüdiger Heinemann verfasste zweibändige Chronik der KPSG Fürth, die er dem OB schon vor einiger Zeit im Rathaus persönlich übergeben hatte). Bei der Lektüre werde deutlich, dass die Höhen und Tiefen sowohl der deutschen als auch der Fürther Geschichte immer auch auf die Kgl. priv. Schützengesellschaft durchgeschlagen hätten und von dieser gemeistert worden seien. Die Teilnahme am heutigen IX. Kaiserabschied sei ihm deshalb ganz besonders wichtig, auch weil die Standortfrage nunmehr durch ein mutiges, aber zukunftsweisendes Investitionsvorhaben der Gesellschaft ein für allemal geklärt sei. Hierfür bedankte er sich ebenfalls und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dass die Stadt hierbei mithelfen konnte. Sodann bat er Herrn Sparkassendirektor Rainer Heller nach vorn, um einen Scheck über 5.000 Euro für dieses "ganz wichtige Zukunftsprojekt" an die Gesellschaft zu überreichen.

Sparkassendirektor Rainer Heller
Feierliche Übergabe des Schecks durch Sparkassendirektor Rainer Heller

Hierzu erklärte Rainer Heller, dass der Gegenwert der heutigen Spende etwa 9.800 D-Mark betrage, wobei sich der scheidende Schützenkaiser die Euro-Umstellung bereits deshalb nicht anlasten müsse, weil es den Euro als Währung schon seit 1999 gebe. Lediglich das Euro-Bargeld, mit dem man heute übrigens auch außerhalb des Euro-Raums bequem zahlen könne – so z.B. in Ägypten – sei erst zum Jahreswechsel auf 2002 eingeführt worden.

In seiner Danksagung betonte der 1. Schützenmeister, dass die Gesellschaft den Umbau ohne die Unterstützung der Stadt und der Sparkasse Fürth nicht hätte schultern können. Als Zeichen der Dankbarkeit verlieh er die Goldene Ehrennadel der Gesellschaft an Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung und an Sparkassendirektor Rainer Heller. Dr. Jung empfand dies als "ganz, ganz große Ehre und Auszeichnung, weil viele Jahrhunderte der Tradition dahinterstehen." Auch habe er heute zum ersten Mal beim Böllern in der Ehrenreihe stehen dürfen. Am Ende seiner Ausführungen wünschte er der Gesellschaft zu ihrer bewegten Vergangenheit auch eine gute Zukunft.

Im Anschluss daran eröffnete Rüdiger Heinemann das in der Schießhalle festlich aufgebaute Buffet. Schützenbruder Nicki Schmidt und sein bewährtes Team hatten damit einmal mehr ihre Qualität und Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Kurz vor Beginn des Losverkaufs beehrte uns um 11.55 Uhr auch Frau MdL Petra Guttenberger mit ihrer Anwesenheit und wurde nach der offiziellen Begrüßung durch den 1. Schützenmeister von der gesamten Gesellschaft mit einem kräftigen Applaus willkommen geheißen.

Ehe der 1. Schützenmeister gegen 12.30 Uhr mit den Ehrungen verdienter Mitglieder begann, begrüßte er Herrn Horst Lange als neues Mitglied und informierte die Anwesenden darüber, dass Herr Lange die Beleuchtung für die neuen Schießstände und außerdem ein doppelflügliges Stahltor gestiftet hat, über das jetzt ein Zugang zum ungenutzten Teil des Gesellschaftsgrundstücks besteht.

Für 25-jährige Mitgliedschaft wurden Dr. Welf Raschke, Gisela Raschke, Heinz Sturber und Inge Weißel jeweils mit der Silbernen Vereinsnadel und dem Zeichen des BSSB geehrt.

Die gleiche Ehrung wurde in Abwesenheit auch Thomas Kupfer, Norman MacLellan, Herbert Gebelein, Dr. Günther Pfann und Roland Zwack zuteil.

Für 40-jährige Mitgliedschaft wurden Andrea Hirschmann, Maria von Beyer und Dieter Portzky jeweils mit der Goldenen Vereinsnadel und dem Zeichen des BSSB geehrt.

Für ihr langjähriges und herausragendes Engagement im Dienste der Gesellschaft wurden Horst und Willi Kleinecke - wie von der Generalversammlung im März 2007 beschlossen - zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der 1. Schützenmeister überreichte ihnen die Ehrenurkunden und Ehrennadeln. Besonders würdigte er, dass beide Brüder jeweils mehr als 10 Jahre im Schützenmeisteramt aktiv waren und auch heute noch nicht nur regelmäßig Arbeitsdienst leisten, sondern einfach immer da sind, wenn man sie braucht; wobei Horst Kleinecke zusätzlich noch die Gesellschaftszeitung herausgibt.

Ehrenmitglieder Horst und Willi Kleinecke
Die neuen Ehrenmitglieder Horst und Willi Kleinecke

Außerdem erhielten Günter Kubich, Winfried Leibner und Peter Stoll für ihren Fleiß und ihren Einsatz beim Umbau, wie auch für ihre sonstige Tätigkeit für die Gesellschaft, jeweils die Silberne Vereinsnadel; ebenso Nicki Schmidt für seine Unterstützung der Gesellschaft (zuletzt hatte er seinen Gewinn vom Tag des Sports am 16.Juni 2007 gespendet) und Melanie Hertel für ihre hervorragenden sportlichen Erfolge und ihre Treue zur Gesellschaft.

Nach den Ehrungen sorgte ab 12.45 Uhr wieder der Musikzug des TSV 1895 Burgfarrnbach für schwungvolle Blasmusik bis ca. 14.30 Uhr.

Noch während der musikalischen Darbietungen hatte pünktlich um 14.00 Uhr das Jugendkönigsschießen begonnen, an dem diesmal insgesamt 8 Jugendliche teilnahmen: der noch amtierende Jugendkönig Felix Zeiher, außerdem Justin Schüler, Helmut Dietz, Susanne Wagner, Michael Vetter, Christopher Feige, Daniel Grieshober und Melanie Hertel. In dieser Reihenfolge wurde auch geschossen, nachdem Felix Zeiher das Jugendkönigsschießen der Tradition folgend mit dem ersten Schuss eröffnet hatte.

Alt Jugendkönig Felix Zeiher
Felix Zeiher vor dem ersten Schuss

Als dann um 15.00 Uhr mit dem traditionellen Eröffnungsschuss des noch amtierenden Schützenkaisers Erich Roth auch das Vogelschießen begann, dessen "durchschlagende Erfolge" wieder von Webmaster Ulrich Ohle mittels Videokamera und Beamer auf die Leinwand im Festsaal übertragen wurden, hatte der Jugendvogel bereits mehr als 120 Schüsse verkraften und aufgrund der Treffsicherheit unserer Jugendlichen nicht nur gewöhnliche „Federn“, sondern auch schon Zepter, Reichsapfel und Krone lassen müssen.

Bis zum 100. Schuss auf den Königsvogel wurden Günther Muhl, Rüdiger Heinemann, Dieter-Karl Ludwig, Alexander Hertel und Dieter von Beyer am häufigsten zur Schussabgabe aufgerufen. Unter fortwährendem Beschuss hatte der Königsvogel bis dahin ebenfalls Zepter und Reichsapfel sowie den rechten Flügel verloren, sich schon bedenklich gedreht und seinen noch gekrönten Kopf mit erheblicher Schlagseite nach rechts unten geneigt, während parallel dazu auch der rechte Flügel des Jugendvogels vollständig und der Linke teilweise abgeschossen worden war.

Um 16.05 Uhr gab es nach dem 100. Schuss auf den Königsvogel eine Pause, um die heißgeschossenen Gewehre abkühlen zu lassen und das weitere Vorgehen festzulegen, weil viele der höheren Losnummern nicht mehr in die Schussliste eingetragen worden waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Jugendvogel soeben den 268. Schuss abbekommen, verfügte nur noch über Torso, Kopf und Schwanz, hielt sich damit aber noch wacker aufrecht.

Kaum hatte Sportleiter Andreas Hertel um 16.25 Uhr die Pause beendet und bekanntgegeben, dass jetzt nur noch Günther Muhl, Rüdiger Heinemann, Dieter-Karl Ludwig und Dieter von Beyer um die Königswürde wetteifern würden, sofern sich nicht doch noch andere Gesellschaftsmitglieder dazu bereit fänden, fiel plötzlich um 16.37 Uhr nach dem 107. Schuss der Vogel restlos zu Boden, getroffen von - Andreas Hertel, der sich spontan entschlossen hatte, zum ersten Mal im Leben einen Schuss auf den Königsvogel abzugeben, und damit - auch für ihn selbst völlig überraschend - sofort die Königswürde errang. Sekunden später lag sich die Familie Hertel in ehrlicher Freude über diese unerwartete Entwicklung in den Armen, ehe der frischgebackene Schützenkönig - immer noch lachend - die Glückwünsche der übrigen Anwesenden entgegennahm und zur Königsproklamation schritt.

Neuer Schützenkönig Andreas Hertel
Andreas Hertel bei der Königsproklamation

Um 17.05 fiel dann auch der Jugendvogel nach dem 391. Schuss, abgegeben von Susanne Wagner, die noch kurz zuvor bei der Königsproklamation gemeint hatte, sie würde "das nicht machen". Aber was sagt man nicht so alles…

So hatte auch Andreas Hertel noch während des Frühschoppens geäußert, dass ihm sein neues Amt als Sportleiter erst einmal genüge. Damit aber nicht genug der Parallelen bei unseren neuen Majestäten: Auch Susanne Wagner hatte zum ersten Mal überhaupt auf einen Königsvogel geschossen und nicht wirklich damit gerechnet, den Vogel auch tatsächlich abzuschießen.

Ihre anschließende Proklamation als Jugendkönigin erfolgte mit den selben gesellschaftlichen Ehren wie vorher die Königsproklamation. Sigrid Ohle, die als einzige Angehörige der Böllergruppe noch anwesend war, ersetzte die schon aufgeräumte Salutkanone kurzerhand mit ihrem Schaftböller. Susanne Wagner selbst war die Freude über ihren überraschenden Königsschuss unschwer anzusehen, als sie in die Kameras strahlte.

Jugendkönigin Susanne Wagner
Susanne Wagner vor der Proklamation

Königspaar und Jugendkönigin
Susanne Wagner nach der Proklamation mit dem Königspaar

Damit ist Andreas Hertel der 171. Schützenkönig seit 1776 und Susanne Wagner "der 11. Jugendkönig" (beim Hochzählen wird sprachlich nicht zwischen Jugendkönigin und Jugendkönig unterschieden).

Wir wünschen unserem neuen Schützenkönig und unserer neuen Jugendkönigin jeweils ein glückliches Königsjahr.


Stefan Pierskalla
Schriftführer

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